So langsam reicht’s mit der Kälte. Also: Boote aufs Dach und ab nach Südfrankreich in die Wärme! Ziel sind die Cevennen, wo die Ardèche entspringt. Da muss es doch einfach wärmer sein als bei uns am Alpenrand!
Ganz sicher sind wir uns allerdings nicht – Jürgen, der schon vor Ort ist, erzählt etwas vom Mistral und „gefühlten 10 Grad“.
Neeee, oder …?
Die Fahrt verläuft entspannt. Christine und ich wechseln uns beim Fahren ab und haben uns viel zu erzählen – unsere letzte gemeinsame Paddeltour liegt schließlich gut zehn Jahre zurück! Gegen 19 Uhr kommen wir am Campingplatz an. Thomas ist auch schon da und hat sich ein Mobilhome ein paar Meter entfernt von unseren Zelten gebucht.
Glück gehabt: Der Wind hat sich verzogen, und für den nächsten Tag sind 25 Grad angesagt. Läuft!
Eiersuchen fällt heute mal flach – wir gehen paddeln!
Zum Einpaddeln nehmen wir uns einen Abschnitt der Ardèche vor. Von Les Mazes bis zum Pont d’Arc sind wir zu dritt unterwegs: Christine, Jürgen und ich. Thomas entscheidet sich fürs Wandern.
Die rund 9 Kilometer ziehen sich etwas, da das Kraftwerk am Wochenende tagsüber kein Wasser abgibt. Trotzdem: Sonne, angenehme Temperaturen und ein paar lustige Bootsrutschen sorgen für gute Stimmung.
Plötzlich finden wir uns in einem Slalomkanal wieder – coole Überraschung! Vielleicht beim nächsten Mal doch das Slalomboot einpacken. Kurz danach heißt es umtragen: Der Fluss ist komplett gesperrt, weil für ein Radrennen eine Pontonbrücke gebaut wurde – mit Kanus! Sieht man auch nicht alle Tage. Nach ein paar weiteren welligen Abschnitten taucht schließlich das gewaltige Pont d’Arc vor uns auf – schon seeeehr beeindruckend! Eine Kehre weiter ist der Ausstieg erreicht.
Der erste schöne Paddeltag findet sein Ende.
Heute steht wieder die Ardèche auf dem Plan. Wetter und Truppe passen – und diesmal ist auch Thomas mit dabei, auf Jungfernfahrt mit seinem neuen Kajak.
Geplant sind etwa 17 Kilometer von Saint-Maurice bis Ruoms zum Campingplatz. Der Pegel liegt bei gerade mal 7 Kubik – ziemlich sparsam. Nachts (20 Kubik) lassen sie wohl mehr Wasser fürs Baguettebacken durch als tagsüber fürs Paddeln …
Egal: Stimmung, Landschaft und Truppe passen! Die Fahrt startet direkt mit einer Bootsrutsche und führt anschließend spritzig durch eine wunderschöne Auenlandschaft. Ein paar Kilometer weiter folgt die Brücke von Balazuc – immer wieder beeindruckend, wie die Dörfer hier direkt am Fluss am Felsen kleben. Nicht umsonst findet man in dieser Region Frankreichs "schönste Dörfer".
Thomas wird gleich ordentlich ins Kehrwassertraining geschickt. Klappt schon ganz gut – auch wenn alle drei „Lehrer“ leicht unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie man es richtig macht.
Immer weiter geht’s entlang imposanter Felswände – einfach traumhaft. Nach etwa zwei Dritteln der Strecke sorgt eine kleine Stufe für Thomas’ „Bootstaufe“. Nicht ganz sauber die Linie gefunden – aber halb so schlimm. So wird das Aussteigen gleich mitgeübt.
Die letzten Kilometer ziehen sich noch etwas, aber egal: ein rundum gelungener zweiter Paddeltag.
Heute geht’s auf den Chassezac. Der Pegel sieht gut aus: etwa 20 Kubik – passt!
Wieder sind wir wieder zu dritt unterwegs: Christine, Jürgen und ich. Und diesmal meinen es auch die „Kraftwerksgötter“ gut mit uns.
Die Schlucht beeindruckt mit hohen Felswänden und teils bizarren Formationen. Dazu kommen immer wieder flott strömende Abschnitte und kleinere, sportliche Passagen – genau die richtige Mischung.
Bei dem Wetter und dem Wasserstand zeigt sich der Chassezac von seiner besten Seite. Einfach wunderschön!
Heute steht die große Schlucht an – gemeinsam mit Thomas. 31 Kilometer liegen vor uns.
Der Pegel liegt bei 35 Kubik. Zum Vergleich: Letztes Jahr an Ostern hatten wir 160! Also keine Monsterwellen heute – aber absolut solide Bedingungen. Schon praktisch, einfach in die App zu schauen. Wie haben wir das früher eigentlich gemacht?
Christine und Jürgen sind im Canadier unterwegs, ich fahre mit Jürgens Axiom – flexibel für einen eventuellen Bootswechsel. In der Schlucht ist ordentlich Betrieb: Sit-on-Tops, Kajaks, Canadier – alles unterwegs. Die hohen Felswände sind beeindruckend, und schon lange vor jeder Stromschnelle hört man das Rauschen. Das macht die Fahrt abwechslungsreich und spannend. Etwa auf halber Strecke legen wir eine längere Pause ein – Energie nachtanken.
Das Wetter ist inzwischen richtig heiß: Am Ausstieg messen wir 30 Grad! Danach geht’s weiter durch Kurven und Stromschnellen – alles gut machbar. Irgendwann wird das Wasser ruhiger, dafür werden die Arme länger.
Nach 31 Kilometern kommen wir leicht erschöpft, aber glücklich am Ausstieg an – und gönnen uns erst mal ein Eis. Den Caddy haben wir praktischerweise schon am Vorabend umgesetzt. So sparen wir uns nach der Tour das lästige Shuttle.
Chassezac – die Zweite: Le Pont de Fer – Pont de Maison-Neuve
Weil es uns am Chassezac so gut gefallen hat, geht’s zum Abschluss noch einmal dorthin. Gleiche Truppe wie vorgestern: Christine, Jürgen und ich. Die Bedingungen scheinen zunächst identisch – doch kaum sitzen wir in den Booten, drehen die Kraftwerksmeister den Hahn zu. Statt 20 sind es plötzlich nur noch knapp 4 Kubik …
Aber egal: Wetter und Stimmung passen, und überraschenderweise lässt es sich trotzdem ganz angenehm fahren. Vielleicht sind wir nach der langen Tour vom Vortag auch ganz froh über einen entspannten Abschluss. Kurz vor dem Ausstieg schlängelt sich der Fluss noch durch einen wunderschönen Auwald – Natur pur. Dann ist auch schon Schluss.
Das war er – unser kurzer Abriss einer leider mal wieder viel zu kurzen Osterpaddelwoche an der Ardèche.
Eins ist sicher: Nächstes Jahr kommen wir wieder. Bestimmt!
Vive la France!
Abteilung